Gilda Shahnaseri

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Gilda Shahnaseri auf dem Campus der Uni Göttingen

„Ich hatte die Ehre, sechs Monate lang durch das Max G. Huber Stipendium gefördert zu werden. Dieses Stipendium verbesserte nicht nur mein wissenschaftliches Niveau und Wissen deutlich, sondern gab mir auch die Möglichkeit, das Leben in Deutschland zu erleben, einem Land mit einer reichen und vielfältigen Kultur. In dieser Zeit traf ich Menschen aus verschiedenen Kulturen und habe für mein Leben und meinen beruflichen Werdegang neue Perspektiven gewonnen. Durch diese Erfahrung konnte ich mich beruflich weiterbilden und meine wissenschaftlichen Fähigkeiten steigern. Außerdem hatte dies einen tiefgreifenden Einfluss auf meinen Charakter und erhöhte mein Selbstvertrauen. Ich bin deshalb der DAAD-Stiftung zutiefst dankbar, denn diese Chance und ihre positiven Auswirkungen auf mein Leben wären ohne die mir gewährte Unterstützung nicht möglich gewesen.“

Um den zusammenhang zwischen Klimawandel und Artenstraben besser zu verstehen forschte Gilda Shanaseri mit Hilfe des Max G. Huber Stipendiums an der Uni Göttingen. Ihren Bericht hat sie in unterschiedliche Absätze eingeteilt.

Durch Wissen bereichert: Mein Forschungsaufenthalt in Deutschland, gefördert durch die DAAD-Stiftung und das Max G. Huber Stipendium.

Mein Hintergrund in den Umweltwissenschaften:

Ich bin mit großem Interesse in den Bereich der Umweltwissenschaften eingestiegen. Ausschlaggebend war dabei mein Wunsch, aktiv zur Erhaltung von Pflanzen- und Tierarten beizutragen, insbesondere als Reaktion auf die Umweltprobleme und den Klimawandel, mit denen wir uns derzeit auseinandersetzen müssen.

Während meines Masterstudiums nutzte ich die Habitatmodellierung, um geeignete Lebensräume und Populationskonnektivität fleischfressender Arten zu identifizieren und effektive Strategien für deren Erhaltung vorzuschlagen. Der Schutz dieser Schirmarten spielt eine entscheidende Rolle für die Erhaltung der Artenvielfalt. Während dieser Zeit nahm ich außerdem an zahlreichen wissenschaftlichen Konferenzen in Belgien und China teil, die mein Verständnis für ökologische Themen erweiterten.

Nach meinem Masterabschluss verbrachte ich einen Monat an der Bicocca University in Italien, wo ich einen Kurs über Soundscape besuchte. Dieser Kurs unterstrich, auf welche Weise die Soundscape-Ökologie als leistungsfähiges Werkzeug dem Vogelschutz und der Erhaltung der Lebensräume von Vögeln dienen kann. Durch diese Erfahrungen ergaben sich für mich einzigartige Gelegenheiten zum Lernen und zum Wissenserwerb.

Shahnaseri In Der Uni

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Gilda Shahnaseri im Institut

Angesichts meines Hintergrunds in der Habitatmodellierung fleischfressender Arten und meiner Nutzung des Soundscape-Wissenschaftszweiges für den Vogelschutz war ich immer daran interessiert, meine Forschung auf Baumarten auszuweiten, welche die Grundlage von Ökosystemen bilden. Ich entwickelte dabei ein besonderes Interesse an der Pflanzengenetik, die bekanntermaßen eine zentrale Rolle bei der Erhaltung und Verbesserung dieser Arten spielt.

Genetische Untersuchungen können zwar kostspielig sein, führen aber auch zu bedeutenden Ergebnissen. Die wissenschaftliche Teildisziplin der Genetik bietet nicht nur Einblicke in das Anpassungspotenzial von Arten als Reaktion auf Umweltveränderungen, sondern liefert auch wesentliche Instrumente für die Entwicklung wirksamer Erhaltungsstrategien zum Schutz der biologischen Vielfalt. Während meiner Promotion konzentrierte ich mich auf das Forschungsgebiet der Pflanzengenetik.

Shahnaseri Bei Der Arbeit

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Gilda Shahnaseri bei der Arbeit im Institut

Forschungsmöglichkeiten in Deutschland:

Deutschland steht seit langem an der Spitze der genetischen Forschung, insbesondere im Wissenschaftszweig Pflanzengenetik und Pflanzenschutz. Deutschland ist durch die reiche Tradition der Innovation, die renommierten Universitäten und den Schwerpunkt auf interdisziplinäre Forschung ein ausgezeichneter Ort für meine Arbeit auf diesem Gebiet.

Während meines Studiums lernte ich die Projekte von Professor Dr. Gailing - einem führenden Experten in meinem Fachgebiet in Göttingen - durch verschiedene Abhandlungen kennen. Nachdem ich mit ihm korrespondierte, wurde mir geraten, ein Stipendium zu beantragen, um meine Forschungsbemühungen zu fördern.

Shahnaseri Bei Einem Ausflug

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Ein Ausflug

Annahme des Stipendiums:

Im Januar 2023 reichte ich meinen Stipendienantrag beim DAAD ein und im September 2024 erhielt ich die tolle Nachricht, dass mein Antrag bewilligt worden war. Ich kann gar nicht beschreiben, wie aufgeregt ich war, als mir mitgeteilt wurde, dass ich von der DAAD-Stiftung mit dem Max G. Huber Stipendium gefördert werde.

Dieses Stipendium wurde mir zu einem Zeitpunkt gewährt, als ich mich recht hoffnungslos fühlte, und mir eröffnete sich ein neuer Weg in meinem Leben. Ohne die Unterstützung der DAAD-Stiftung wäre für mich schon der Erhalt eines Visums schwierig und zeitaufwändig gewesen, und das ganze Verfahren erschien mir damals in jeder Hinsicht unmöglich. Dank der DAAD-Stiftung konnte ich im Dezember 2024 nach Deutschland einreisen und mein Forschungsprojekt an der Universität Göttingen im Genetiklabor von Professor Dr. Gailing beginnen.

Diese Gelegenheit erwies sich als äußerst wertvoll, da ich mein Wissen und meine Fähigkeiten erheblich erweiterte und ich gleichzeitig neue Perspektiven für meine Forschung und für meinen beruflichen Werdegang erhielt. Unter der Leitung von Professor Dr. Gailing, der ein großes Forschungsteam leitet, bietet das Labor ein einladendes und kollaboratives Umfeld.

Die Teammitglieder stammen nicht nur aus Deutschland, sondern auch aus anderen Ländern, etwa Spanien, Griechenland, Malaysia, der Ukraine, Afghanistan, Senegal und anderen Ländern. Das Team ist somit eine vielfältige und vereinte Gruppe, in der die Mitglieder aktiv voneinander lernen und zu einer lebendigen und bereichernden Atmosphäre für wissenschaftliches Wachstum beitragen.

Eine der lohnendsten Erfahrungen war für mich, zu diesem Team zu gehören. Ich hatte somit die Möglichkeit, mit Menschen unterschiedlicher Herkunft, Nationalität, Religion oder Kultur zusammenzuarbeiten. Durch das freundliche und unterstützende Umfeld konnte ich viel von meinen Kollegen lernen, was auch zu der unglaublich bereichernden Erfahrung beitrug.

Shahnaseri Mit Team

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Gilda Shahnaseri und ihr Team

Meine wissenschaftliche Forschung in Deutschland:

Mein Hauptforschungsschwerpunkt war Quercus Castanifolia (Kastanienblättrige Eiche), die in den hyrkanischen Wäldern endemisch ist und kürzlich auf der Roten Liste der IUCN (Internationale Union zur Bewahrung der Natur) als gefährdet eingestuft wurde. In unserer Forschung untersuchen wir die genetische Vielfalt dieser Art und identifizierten ihre adaptiven Gene.

Blattproben von Quercus Castanifolia wurden aus den hyrkanischen Wäldern im Norden des Iran entnommen und in das Labor der Universität Göttingen gesendet. Der Schwerpunkt meiner Laborarbeit war das Erlernen und Ausführen der Schritte zur Identifizierung von Genen, die mit Umweltanpassungen in Verbindung stehen, mithilfe von SSR-Marker.

Zuerst extrahierte ich DNA aus den gesammelten Proben und habe dann die SSR-Marker konzipiert und amplifiziert. Danach analysierte ich die PCR-Produkte mittels Gelelektrophorese und gab die Ergebnisse in die GeneMapper-Software ein, um die Größe und Muster der verschiedenen Bandbreiten zu beurteilen. Mithilfe dieses Prozesses konnte ich die genetische Vielfalt zwischen den Proben identifizieren und schließlich die Gene bestimmen, die mit Umweltanpassungen in Verbindung stehen.

Meine Erfahrungen als Frau in Deutschland:

Das Leben in Deutschland hat mir eine neue und eingehende Perspektive für die Kultur und das Leben in diesem Land gegeben. Ich fand es sehr wichtig, das starke Engagement Deutschlands für die Gleichstellung der Geschlechter und die Stärkung der Rolle der Frauen zu erleben. Ich habe beispielsweise an der Universität Göttingen festgestellt, dass jede Woche Frauen gezielt zur Teilnahme an Gruppensportveranstaltungen eingeladen wurden.

Diese Initiative fördert nicht nur die Gesundheit der Frauen, sondern auch ihr seelisches und emotionales Wohlbefinden, unterstützt deren Gemeinschaftsgefühl und die Teamarbeit und betont die aktive Teilnahme an verschiedenen Aspekten des Lebens.

Während der Suche nach Stellenausschreibungen, insbesondere nach Postdoc-Stellen, fiel mir außerdem auf, dass Frauen verstärkt zu Bewerbungsgesprächen eingeladen wurden. Dies stand in krassem Gegensatz zu meinen Erfahrungen in meinem Heimatland, wo Männer bei vielen Stellenangeboten häufig bevorzugt behandelt werden. Es war schon erfrischend, ein System zu erleben, welches Frauen aktiv ermutigt, in der Berufswelt die Führung zu übernehmen.

Da ich in einem Land lebe, in dem Frauen nicht immer Priorität genießen, konnte ich spüren, dass deutsche Frauen ein erheblich höheres Selbstbewusstsein besitzen. Man merkt, dass sie ein ausgeprägtes Gefühl für Gleichheit und Beteiligung an verschiedenen Aktivitäten besitzen.

Diese Verpflichtung zur Förderung eines Umfelds, in dem Frauen befähigt werden, sich in ihren Bereichen zu engagieren und dort Höchstleistungen zu erbringen, ist wirklich inspirierend. Die verschiedenen angebotenen Programme und die Unterstützung zur Stärkung der Präsenz von Frauen in Wissenschaft und Forschung spiegeln das starke Engagement in Deutschland für die Förderung der Gleichstellung wider.

Shahnaseri Vor Dem Institut

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Gilda Shanaseri vor dem Institutsgebäude

Meine Erfahrung als Wissenschaftlerin in Deutschland:

Mir ist vor allem die Disziplin angenehm aufgefallen, die in allen Bereichen des Lebens in Deutschland offensichtlich ist. Detailgenauigkeit, Verantwortungsbewusstsein und Pünktlichkeit waren Qualitäten, die sowohl im Arbeitsumfeld als auch im Alltag deutlich hervortreten.

Die Arbeit in einem solchen Umfeld war angenehm, und ich nutzte die Erfahrung, dass diese Werte strikt eingehalten werden. Darüber hinaus hat mich das tief in der deutschen Kultur verankerte Gefühl für Zusammenarbeit und Teamarbeit tiefgreifend beeinflusst. Während meines Aufenthalts hatte ich Gelegenheit, mit einem großen Team von Wissenschaftlern zusammenzuarbeiten und erlebte, wie Synergien innerhalb von Teams, in denen sich alle gegenseitig unterstützten, dazu beitrugen, eine Atmosphäre der Motivation und des Lernens zu schaffen.

Diese kollektive Förderung unterstützte nicht nur das individuelle Wachstum, sondern führte auch zu erheblichen Fortschritten bei den Projekten. Diese Erfahrung zeigte mir, dass Teamarbeit nicht nur bessere Ergebnisse bringt, sondern auch menschliche Beziehungen stärkt.

Meine Erfahrung als Studierende in Deutschland:

In Göttingen lebte ich zum ersten Mal weit von meiner Familie entfernt. Bis dahin hatte ich meine gesamte Ausbildung in meiner Heimatstadt absolviert. Mein Aufenthalt brachte bedeutende Veränderungen und viele neue Erfahrungen mit sich. Studium und Leben in Deutschland waren für mich sehr wertvoll und unvergesslich, und haben mir dabei geholfen, eine ganz neue Kultur- und Gedankenwelt zu entdecken.

Ich versuchte, die meiste Zeit an der Universität zu verbringen, auch an den Wochenenden, weil die mir in Deutschland zur Verfügung stehenden Laboreinrichtungen und Forschungsmöglichkeiten hervorragend waren. Ich bin sehr dankbar für den Zugang zu diesen Ressourcen. In meinem letzten Monat habe ich es dann doch geschafft, andere deutsche Städte zu besuchen, unter anderem Frankfurt, Berlin, Hannover, Braunschweig und Wernigerode. Ich habe die Schönheit und die Vielfalt der Kulturen des Landes sehr genossen.

Menschen und Freundschaften in Deutschland:

Auf den ersten Blick erscheinen die Deutschen etwas zurückhaltend und formell und es kann schon etwas dauern, bis man die Menschen näher kennenlernt. Sobald jedoch eine Verbindung hergestellt ist, werden die Menschen sehr warm und freundlich. Ich fühlte mich so wohl, dass ich nach meinem Weggang aus Deutschland dachte, ich hätte meine zweite Familie verlassen. Dank dieser Gelegenheit habe ich ein breites Netzwerk von Verbindungen aufgebaut und deutsche Freunde gefunden, deren Beziehungen für mich sehr wertvoll sind.

Soziale und ökologische Aktivitäten:

Ein interessanter Aspekt des Lebens in Deutschland war die starke Bedeutung, welche die Menschen sozialen und ökologischen Fragen zuweisen. In vielen Wochen treffen sich Gruppen im Stadtzentrum, um Veganismus zu fördern und die Menschen zu ermutigen, den Fleischkonsum zu senken. Ich fand diese Bemühungen sehr wertvoll, da sie zeigten, wie sehr sich die Menschen hier um Gesundheit, Umwelt und Tierrechte kümmern.

Darüber hinaus war die umfangreiche Nutzung von Fahrrädern und öffentlichen Verkehrsmitteln in Deutschland beeindruckend und lobenswert. Viele Einwohner, darunter auch Studierende, ziehen es vor, Fahrräder oder öffentliche Verkehrsmittel anstatt von Autos zu benutzen. Dieses Verhalten spielte eine wichtige Rolle bei der Verringerung der Luftverschmutzung und der Erhaltung der Umwelt, was die nachhaltige Kultur und das Verantwortungsbewusstsein der Menschen in diesem Land widerspiegelt.

Ein weiterer bemerkenswerter Aspekt in Deutschland war die ernsthafte Aufmerksamkeit, die man dem Recycling widmet. Das Sortieren von Abfällen in verschiedene Kategorien wie Papier, Glas, Kunststoff und organische Abfälle wurde in jedem Haus und am Arbeitsplatz sorgfältig beachtet. Dieser Schwerpunkt auf Recycling und Abfallwirtschaft hat nicht nur zur Verringerung des Ressourcenverbrauchs beigetragen, sondern fördert den Umweltschutz nachhaltig. Ich fand dieses Engagement für die Natur sehr bewundernswert und inspirierend.

Global Village an der Universität Göttingen:

Ein Begegnungsfest der Kulturen Eine der besonderen und unvergesslichen Erfahrungen an der Universität Göttingen war das Global Village Göttingen. Im Zuge dieser Veranstaltung trafen sich Studierende aus verschiedenen Ländern, um ihre Lebensmittel, Kleidung und kulturellen Traditionen zu präsentieren. Mich faszinierte, wie stark sich die Universität für diese Veranstaltung einsetzte, die einen Raum für Studierende schuf, verschiedene Kulturen kennenzulernen und die kulturelle Vielfalt zu schätzen.

Neben den sich durch diese Veranstaltung ergebenden Gelegenheiten der Herausstellung nationaler Identitäten konnten die Studierenden auch mehr über andere Kulturen und Traditionen erfahren, was die Kontakte untereinander förderte. Diese Erfahrung war für mich unglaublich wertvoll und ich konnte dadurch eine Welt der Unterschiede und der kulturellen Vielfalt erleben und mich eng mit anderen Kulturen beschäftigen.

Danksagungen

Mein Aufenthalt war eine unglaubliche und transformative Erfahrung, die ich gerne wiederholen würde. In dieser Zeit ergaben sich zahlreiche Ergebnisse, die man gar nicht in Worte fassen kann, und mein Leben wurde tiefgreifend neugestaltet.

Ich entwickelte ein starkes Interesse am Erlernen der deutschen Sprache, und ich begann nach meiner Rückkehr in mein Heimatland Deutsch zu lernen. Ich möchte diesen Weg fortsetzen und hoffe, nach Deutschland zurückzukehren, um eine Postdoc-Stelle zu finden, mich weiter in die deutsche Kultur zu vertiefen und weitere wertvolle Erfahrungen zu sammeln.

Abschließend möchte ich der geschätzten Familie des verstorbenen Dr. Max G. Huber, der DAAD-Stiftung und Professor Dr. Gailing meinen herzlichen Dank aussprechen. Ihre Unterstützung und Anleitung waren für meine Erfolge und Errungenschaften unerlässlich.

Ich möchte auch Frau Elina Kunkel und allen Mitarbeitenden bei DAAD-Stiftung und DAAD für ihre Hilfe und Unterstützung während meines Aufenthalts herzlich danken.

Eine besondere Anerkennung gilt Dr. Max G. Huber, dessen großzügiges Stipendium Türen öffnete, die einst unerreichbar schienen. Auch nach seinem Tod leben seine Gedanken und Ideen aufgrund der von ihm geschaffenen Möglichkeiten weiter. Möge seine Seele in ewigem Frieden ruhen.

Ohne die Hilfe und Unterstützung dieser wunderbaren Menschen wäre es unmöglich gewesen, diesen Weg zu beschreiten. Ich bin allen, die mich auf diesem Weg begleitet haben, äußerst dankbar. Ich kann die Tiefe meiner Wertschätzung gar nicht in Worte fassen. Ich wünsche ihnen alles Gute im Leben und für die Zukunft.

Stand: November 2024. Die englische Version ist das Original.